Offener Kanal Lübeck

Lübecker Rapper-Szene sendet im OK

10.02.2010
Angefangen hat alles mit dem „Eritreer“ Musie Khasay, der von sich behauptet „immer unterwegs“ zu sein. Er hatte die Idee einer Sendung für die Lübecker Rapperszene im Offenen Kanal. So war das erste Projekt aus der Taufe gehoben und das Dreamemotion-Inputradio ging im Oktober 2009 mit einer wöchentlichen Sendung „on air“. Seit dem sind viele Hip-Hop-Gruppen seinem Beispiel gefolgt. Sei es DJKirst, Banause, Shaggie Schween, Bassbart oder wie sie alle heißen. Alle haben den Offenen Kanal als Plattform für ihre spezielle Musik entdeckt. Dabei ist alles handgemacht: Die Musik, die „beats“ entstehen an der heimischen Soundmaschine, gerappt wird dann mit eigenen Texten auf den „beat“ im Ok-Lübeck-Studio. Zugegeben Hip-Hop-Texte sind oft derbe und drücken alles etwas dramatischer aus, als die Protagonisten es im Innersten empfinden. Etwas „dirty“ müssen die Texte schon sein um als echter Hip-Hop durchgehen zu können.

"Von Zeit zu Zeit muss man schon etwas bremsen, wenn die Texte zu hart werden", sagt Michael Luppatsch, der Leiter des OK Lübeck. "Da haben wir aber ein Ohr drauf und versuchen das in der Bahn zu halten, damit niemand denunziert wird."


Entstanden ist der Hip-Hop in den 80er-Jahren in den Slums Amerikas als Alternative zur handgreiflichen Gewalt. In den „battles“ bekriegen sich die Gegner mit Wortgesang und nicht mehr mit den Fäusten. Die Welle ist längst nach Deutschland übergeschwappt. Hoch im Trend ist deutschsprachiger Hip-Hop einschlägiger Interpreten von Sido bis Bushido. Bushidos persönliche Geschichte erreicht jetzt als Kinofilm junge Menschen. 

Zurück in Lübeck: Sascha Gottschalk hat für den Samstag die „56boyz“ ins Studio geladen. In seiner Sendung stellt er junge Leute mit ihren Texten vor. „Sabro und Caylo, wie seid ihr dazu gekommen Rap zu machen?“, stellt er die erste Frage. Sabro ist erst kurz dabei. Gelernt hat er das Rappen von Caylo seinem Cousin. Eigentlich wollten sie einfach mal sagen, was sie so bewegt, erzählen die beiden. „Wenn andere nicht zusehen, schau hin!“ heisst die „hook“, der Refrain, im ersten Song der beiden Jungrapper Caylo und Sabro. Es geht um Gewalt in der Famile, Ausweglosigkeit, HartzIV, und trotzdem ist ihr Credo „Stell Dich den Problemen und gib nicht auf!“


Inzwischen haben sie ihren ersten Auftritt in der „Reimbar“ im Lübecker Jugendzentrum Burgtor hinter sich. Das Burgtor ist auch enger Kooperationspartner des Dreamemotion-Inputradios im Offenen Kanal. Sascha Gottschalk macht dort ein Praktikum, den Jugendgruppenleiterschein hat er kürzlich beim CVJM gemacht und sein Ziel ist jetzt die Ausbildung zum „sozialpädagogischen Assistenten“, vielleicht an der Dorothea-Schlözer-Schule. So hat ihm das Engagement im Offenen Kanal eine neue berufliche Perspektive gegeben.

Die Szene ist äußerst aktiv. Seit November sind schon drei regelmäßige „crowds“, Redaktionen, entstanden, die jeweils ihre eigenen „homies“, ihr eigenes Fan-Publikum haben.“ Jede Sendung wird gleich massenhaft über „myspace“ im Internet „gepostet“, so dass auch Fans in der weiteren Umgebung über Livestream (www.okluebeck.de) mithören. „Der Offene Kanal ist eine tolle Möglichkeit für alle jungen Rapper“, meint auch Shaggie Schween, der seinen eigenen Produzenten bereits in Bremen sitzen hat. „Die haben zuhause noch kein sinnvolles Studio zusammen, da ist der Offene Kanal eine ganz große Chance auch mit den eigenen Songs an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Schween weiß wovon er redet. Er hat die wichtigsten Freestyle-Battles in Deutschland gewonnen. Im Alltag ist er Friseur und arbeitet bei einem Lübecker Unternehmen. „Tagsüber wasche ich den Leuten den Kopf und abends geht die Post ab!“, meint er lachend. Aber keine Angst, auch bei Friseuren gibt es eine Schweigepflicht. Die Inhalte der Raptexte entstehen unabhängig davon.

Zu hören sind die Sendungen montags um 20:05 Uhr und samstags um 13:05 Uhr auf 98,8 Mhz (106,5 Mhz im Kabelnetz) und im Livestream bei okluebeck.de.

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